Florian

Ich habe zwei Jungs (´95 + ´99 ), beides Wunschkinder. Die Geburt vom Großen dauerte über zwei Tage, ein Punkt, der für das Thema ADHS wohl eine Rolle spielt. Er war ein aufgewecktes, lebendiges Kind, hatte aber, wie sein Bruder, die Dreimonats-Koliken. Auch im Kindergarten hatte er viel Freude.
Im Nachhinein bemerkte man aber,dass er wohl überall dabei war -  aber immer alleine. Dort hörte ich das erste Mal von ADHS, konnte damit aber nichts anfangen. Dann kam er in die Vorschule und in die Grundschule. Er war quirlig, alleine, er viel "nervig" auf und das Lernen war nicht so leicht. Der Begriff ADHS kreiste durch meinen Kopf, denn ich hatte das Gefühl, hier ist etwas anders. Auf Nachfrage bei den Lehrern und dem Kinderarzt wurde ich beruhigt, Florian ist ein lebendiges Kind, ich soll nicht mit einer Modekrankheit kommen usw. Die Probleme wurden aber nicht weniger, das Lernen immer anstrengender und besonders sein Schriftbild war katastrophal. Ich merkte auch, dass er Schwierigkeiten hatte, seine Intelligenz "abzurufen". Er wurde von der Schule nicht unterstützt, sondern ermahnt. Dann plötzlich Anfang der 3. Klasse meinte die Lehrerin, dass ich wohl Recht hatte mit meiner Vermutung. Ich solle das doch bitte mal abklären lassen! Ein kostbares Jahr vertan, ein Jahr negativer Einfluss, ein Jahr Krampf um Kampf! Jetzt ging die Rennerei zu diversen Ärzten und Einrichtungen los, wurden verschiedene Tests und Untersuchungen durchgeführt, bis das Ergebnis feststand: ADHS! Ein weiteres Jahr war vergangen, welches Florian negativ prägte. Nun ging es weiter: Medikamente, Aufklärung, Therapien, Seminare,... . Leider lief es in der Schule gar nicht gut, die Lehrer waren mit diesem Problem überfordert, denn es waren zu viele auffällige Kinder.
Wir haben viel durch mit unserem Großen, er hat in der Schule arge Schwierigkeiten, sozial seine Probleme und die Psyche ist angegriffen. Wir haben viel erlebt und viel erfahren, aber es hat sich, so hoffe ich, gelohnt.
Mein Tipp an Betroffene: bei den ersten Verunsicherungen, den ersten Anzeichen einer Andersartigkeit des Kindes nicht abwimmeln lassen! Hört auf euer Bauchgefühl und geht dem nach. Es muß nicht bedeuten, dass das Kind sofort Medikamente bekommt -  es gibt noch viele andere Hilfsmöglichkeiten. Man erspart dem Kind viel Kummer. Hat es erst mal seine Erfahrungen gemacht, sind Negativeinflüsse gefestigt, ist es viel schwerer, dass das Kind unbeschwert durchs Leben kommt.
AD(H)S u.ä. ist KEINE Behinderung, die Kinder lernen nur anders. Sie sind doch tolle Kinder, die viele gute Eigenschaften haben.Z.B. sind sie besonders empfindsam, liebevoll, phantasievoll, besonders gerechtigkeitsliebend,... einfach BESONDERS!